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In der Diskussion: Fachkräftebedarf
Investition in Aus- und Weiterbildung

Im Rahmen einer Pressekonferenz bei der KATHREIN-Werke KG in Rosenheim erörterten Dr. Andreas Stöhr, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit (BA), Prof. Dr. Anton Kathrein, Vizepräsident des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, Stefan Schnaubert, Personalleiter der KATHREIN-Werke KG, und Harald Neubauer, Leiter der Agentur für Arbeit in Rosenheim, das Thema „Fachkräftebedarf“.
„Der Konjunkturaufschwung führt zu einer deutlichen Verringerung der Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite gibt es zunehmenden Fachkräftebedarf – in regional und sektoral unterschiedlicher Ausprägung“, stellte Dr. Stöhr fest. „Insbesondere gilt dies für den Metall- und Elektrobereich, und hier gleichermaßen für Facharbeiter wie Ingenieure, sowie für den IT-Bereich“.
Die Ursachen liegen in der Bildungs- und Ausbildungspolitik, der betrieblichen Personalpolitik sowie in gesellschaftlichen Einstellungen. So verlassen nicht wenige Jugendliche die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss oder brechen die Ausbildung ab. Zum Teil fehlen ihnen notwendige soziale Grundkompetenzen zur Beteiligung am Erwerbsleben. In der universitären Bildung schließen nur rund 60 Prozent ihr Ingenieurstudium erfolgreich ab. „Ein Luxus, den sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten kann“, so Dr. Stöhr. Teilweise ist der Fachkräftebedarf durch zu hohe Einstellungskriterien der Arbeitgeber oder durch Vorbehalte gegen Ältere bedingt.
Nur in konzertierter Aktion aller Verantwortlichen für Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt sind die Probleme lösbar, so das Fazit von Dr. Stöhr. Als Beitrag der BA sprach er u.a. die auch überregionale Vermittlungstätigkeit, den Ausbau der Arbeitgeberkontakte sowie die Finanzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen an. Für Bayern stehen in diesem Jahr insgesamt 360 Millionen Euro für die Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung. Zwingende Voraussetzung sei aber, dass die Betriebe / Kammern die Agenturen über den künftigen Qualifizierungsbedarf frühzeitig informieren.
Prof. Dr. Anton Kathrein stellte fest, dass der Ingenieurmangel ein Wachstumshemmnis für die Unternehmen der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie darstelle, da deshalb teilweise Aufträge nicht angenommen werden können. Die positive konjunkturelle Entwicklung wirke sich auch auf die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen in diesem Bereich positiv aus. Seit 1999 sei die Arbeitslosigkeit hier rückläufig.
Den Mitgliedern seines Verbandes gab er den dringenden Rat, aktiv für Nachwuchs zu werben und Jugendliche für Technik zu begeistern. Neben dem Gehalt sind interessante, hochwertige Aufgaben und ein gutes Betriebsklima für die Bewerber oftmals entscheidend.
Prof. Dr. Kathrein betonte die enge und gute Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit. Dies wird u. a. auch in der Kooperation beim Förderprogramm „WeGebAU“ (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) deutlich, das im Tochterunternehmen in Nördlingen mit Erfolg umgesetzt wird. Die Mitarbeiterqualifizierungen schließen mit einem IHK-Zertifikat ab.
Personalleiter Stefan Schnaubert verdeutlichte die Ausbildungsleistung des Unternehmens, das durch eigene Ausbildung seinen Bedarf an Fachkräften sichere. Dabei spiele auch die intensive Betreuung und weitergehende Förderung der Mitarbeiter eine Rolle. So werden z.B. besonders engagierte Jugendliche ermutigt, das Fachabitur nachzuholen und ehemalige Mitarbeiter auch im Studium unterstützt.
Stefan Schnaubert hob hervor, dass das Förderprogramm „WeGebAU“ Chancen für Geringqualifizierte in Bereichen schaffe, in denen normalerweise Fachkräfte eingesetzt werden. In Rosenheim werden demnächst 50 Arbeitnehmer an einer entsprechenden Maßnahme teilnehmen.
Eine enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur erfolge auch im Rahmen der Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ). Elf Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz fanden, wurden über EQJ im Betrieb in eine anschließende Ausbildung übernommen. Der Erfolg dieser Maßnahme zeige sich auch daran, dass sie ihre zweijährige Ausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,5 abschlossen. Dies schafft sowohl für die Unternehmen als auch für die Arbeitsagenturen und die geförderten Jugendlichen eine „win-win-Situation“, bei der alle nur gewinnen.
Harald Neubauer schloss die Runde mit einem aktuellen Überblick über die regionale Situation im Agenturbezirk Rosenheim ab. Er stellte fest, dass die sehr gute Arbeitsmarktlage nicht nur Sonnenseiten, sondern zwischenzeitlich erheblichen Fachkräftebedarf mit sektoralen Engpässen habe, obwohl Bewerber bundesweit und ggf. auch im EU-Ausland in die Vermittlungsstrategien einbezogen würden. So kommen beispielsweise in Rosenheim auf eine Stelle aus den Bereichen Metall, Elektro, Holz und in Pflegeberufen nur 0,6 bis 1,7 Arbeitslose.
Um hier auch weniger qualifizierte Job-Suchende einzubeziehen, investieren die Agentur für Arbeit Rosenheim jährlich rund 10 Mio. Euro an Fördergelder für die Einarbeitung und Qualifizierung arbeitsloser Männer und Frauen mit sehr gutem Erfolg.
Neubauer bedankte sich bei Herrn Prof. Dr. Kathrein für die vorausschauende Personalpolitik und die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus seinem Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Rosenheim.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Bayern, Nr. 23./07 vom 6. September 2007

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Stellten den aktuellen Fachkräftebedarf aus ihrer Sicht dar (von rechts): Prof. Dr. Anton Katrein, Dr. Andreas Stöhr, Harald Neubauer und Stefan Schnaubert.
 
(Fotos: Sonnleitner)

 
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letzte Änderung 12.09.2007